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Fälschung einer Chronik  –  Chronik einer Fälschung. Entstehung und Tradierung des sogenannten Chronicon maius des Pseudo-Sphrantzes

 

Antragsteller: Dr. Sonja Schönauer

Das sogenannte Chronicon maius des Pseudo-Sphrantzes ist eine stilistisch-literarisch überarbeitete und zeitlich erweiterte Fassung des auch als Chronicon minus bekannten Tagebuchs von Georgios Sphrantzes, der als hochrangiger Diplomat und persönlicher Freund des letzten byzantinischen Kaisers Konstantinos XI. (1449–1453) die Eroberung Konstantinopels als Augenzeuge miterlebte. Beiden Werken wurde eine hohe Authentizität zugeschrieben, bis in den 30er Jahren des 20. Jh.s der Verdacht aufkam, daß es sich bei dem Chronicon maius um eine Fälschung handelte, die erst nach der Schlacht von Lepanto (1571) von einer Gruppe griechischer Handschriftenkopisten und -händler in Italien unter der Leitung des exilierten Metropoliten von Monembasia, Makarios Melissenos, aus diversen Quellen kompiliert und um einige erfundene Elemente angereichert wurde. Dahinter stand offenbar die Absicht, das christliche Abendland zu einem weiteren Kreuzzug, diesmal zur Befreiung der von den Osmanen eroberten Stadt Konstantinopel und zur Wiederherstellung des byzantinischen Reiches, zu motivieren. Das ursprüngliche Ziel des Projektes war, die Quellenlage aufzuarbeiten und anhand bisher unberücksichtigter Dokumente sowohl die historischen Hintergründe des Werkes als auch das persönliche Umfeld der beteiligten Kompilatoren zu untersuchen. Die dabei erzielten Ergebnisse legten es nahe, damit eine neue kritische Edition des Werkes, das schon in den ersten Jahrzehnten mehrere Versionen hervorbrachte und über Jahrhunderte als eine der wichtigsten griechischsprachigen Quellen zur Eroberung Konstantinopels galt, zu verbinden.

Mitarbeiter: Dr. Sonja Schönauer