Willkommen in der Mittellateinischen Abteilung des IfA

Köln, Erzbischöfl. Diözesan- und Dombibliothek, Cod. 203, fol 1r.

Die Lateinische Philologie des Mittelalters und der Neuzeit beschäftigt sich mit der lateinischen Sprache und Literatur des Mittelalters und der frühen Neuzeit (ca. 5./6. – 16./17. Jh.). Sie verfolgt die Wege, die die Sprache nach dem Untergang des Römischen Reiches auf dem Boden des Imperiums und über seine Grenzen hinaus mit dem Christentum zu den Iren und Angelsachsen, den skandinavischen und westslawischen Stämmen eingeschlagen hat, und untersucht auch die verschiedenen lateinischen Fachsprachen, die sich den veränderten Verhältnissen und Bedürfnissen entsprechend im Mittelalter entwickelt haben. Die außerordentlich umfangreiche Literatur, die alle Bereiche des kulturellen Lebens des Mittelalters berührt, ist oft nur unzureichend erschlossen oder untersucht; immer wieder müssen dabei auch antike und besonders spätantik-christliche Vorbilder und deren Wirkungs- und Überlieferungsgeschichte in den Gesichtskreis einbezogen werden. Ein wichtiger Bestandteil des Faches ist die lateinische Paläographie (Handschriftenkunde). Bei der Erforschung der mittelalterlichen Bildungs- und Geistesgeschichte, dem Bemühen um das Verstehen des Menschen im Mittelalter ist die Mittellateinische Philologie von zentraler Bedeutung.

Forschungsschwerpunkte in Köln sind die lateinische Dichtung und Epistolographie, ihre Erschließung durch Editionen und Repertorien, ferner die Wirkungsgeschichte mittellateinischer Literatur im Frühhumanismus.

 

Der Kölner Lehrstuhl besteht seit annähernd 50 Jahren; er ist damit unter den Neugründungen in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg eine der ältesten. Karl Langosch, der mit zahlreichen Anthologien und Einführungen und der Herausgabe der Fachzeitschrift Mittellateinisches Jahrbuch erheblichen Anteil an der Etablierung und Propagierung des Faches in den 60er und 70er Jahren des 20. Jahrhunderts hatte, bekleidete ihn von 1958 bis 1969. Ihm folgten Alf Önnerfors (1970-1990), Udo Kindermann (1991-2006) und Peter Orth (seit 2006).

Die Geschichte des Faches in Köln beginnt indes früher: mit dem aus einer bekannten Kölner Familie stammenden Goswin Frenken, der 1922 in Köln habilitiert wurde und bis 1935 Lehraufträge wahrnahm. 1935 / 1936 wurde er aus dem Lehrbetrieb entfernt, seine Doktorwürde wurde ihm entzogen. Anfang 1945 starb Frenken im Konzentrationslager Flossenbürg.

Unser Lehrangebot

Wir bieten 7 bis 8 Lehrveranstaltungen mit einem breiten Themenspektrum pro Semester an, teilweise in Zusammenarbeit mit anderen Fächern (Klassische Philologie, Geschichte, Germanistik); dazu kommen Exkursionen, Ausstellungs- und Bibliotheksreisen.

Unsere Ausstattung

Eine ei­gen­stän­di­ge Bi­blio­thek mit ca. 6000 Bän­den, 25 lau­fend ge­hal­te­nen Zeit­schrif­ten und wich­ti­gen Da­ten­ban­ken. Dazu kommt eine um­fang­rei­che Mi­kro­film­samm­lung als Grund­la­ge für Übun­gen und edi­to­ri­sche Ar­bei­ten. Im Übrigen können Sie hier die Mikrofilmsammlung durchsuchen.

Köln, Erzbischöfl. Diözesan- und Dombibliothek, Cod. 203, fol. 49r.